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The House Sound Of Brazil - Anderson Soares

SlowLine

House Music, real House Music (damit ist hier House mit Seele gemeint und nicht etwa die zahlreichen "Abarten", die heutzutage so als House verkauft werden, wie gewisse Techno-, Trance- oder Deppfloorartikel), ist in der Tat ein globales Phänomen und keineswegs nur auf Nordamerika und Europa beschränkt, wie aus dem folgenden Interview mit Anderson Soares aus Brasilien ersichtlich ist.
Er ist einer dieser "true souldiers", die 100% für die Musik leben, obwohl er einer der wenigen aus seinem Land ist, der die "real vibes" verbreitet.
"Niemals aufgeben und an House glauben" ist seine Maxime, was Respekt verdient in einer Zeit, wo es wirklich nicht einfach ist, sein Brot mit Qualitätsprodukten zu verdienen.
Genug der Vorrede, lest einfach das Interview und bekommt ein paar Impressionen des "House Sounds of Brazil".

andersonjpg1NAME: Anderson Soares
ALTER: 24
RESIDENZ: Sao Paulo/Brasilien
MUSIKSTIL: Underground House



BASSics: Hi Anderson, zuerst einmal muss ich sagen, dass ich ziemlich froh bin, zu sehen, dass real House Music auch in Brasilien gespielt wird. Das bestärkt meinen Glauben an den globalen Charakter dieser Musik aufs neue. OK, erste Frage: wann bist du zum ersten mal mit House in Kontakt gekommen und war es bei dir auch dieser Viruseffekt, wie bei vielen anderen?

Anderson Soares: Yeah, das war wirklich so. 1989 hörte ich einen Tony Humphreys Remix von Adeva´s "Warning" und seit dem habe ich nicht mehr aufgehört, House zu spielen.

B: Was war deine erste gekaufte Houseplatte?

A: Die erste? Schwierig zu sagen, aber ich glaube, das war entweder Satoshi Tomie - "Tears" oder Ten City - "Devotion".

B: Was für Musik hast du gehört, bevor du House entdeckt hast? Was sind deine "Roots"?

A: Ich habe Freestyle (sehr populär in Brasilien Ende der 80er) und viel 70´s Stuff gehört. Ich mochte schon immer Sachen mit Funk. Meine Roots sind eindeutig Disco, Soul und Funk.

B: Wann hast du deine DJ-Karriere begonnen und wo war dein erster öffentlicher Auftritt?

A: Ich habe 1989 mit kleinen Parties in meiner Nachbarschaft angefangen, mein erster professioneller Gig war allerdings erst 1991 im Sunset Club.

B: In welchen Clubs hast du sonst noch so aufgelegt und bist du irgendwo Resident-DJ momentan?

andersonjpg2A: Außer dem schon erwähnten Sunset Club habe ich bisher die folgenden Clubs gerockt: Oficias Club, Victoria Pub, Zoom, Club Banespa, Odeon Club, Cha Cha Cha, Columbia, Disco Fever, Florestta. eit 1997 bin ich Resident DJ in der Dolores Bar, und seit kurzem auch @ Manga Rosa.

B: Du hast verschiedene Projekte im Housebereich laufen, z.B. eine Radioshow, eine Internetradioshow, die Homepage Musical Express. Erzähl mal, was es damit so auf sich hat.

A: Nun, ich mache jetzt schon seit 1992 Radioshows und das gefällt mir wirklich sehr gut. Meine aktuelle wöchentliche Radiomixshow heißt "Sambaloco Dance" und wird von dem brazilianischen Indielabel Sambaloco Records gesponsort. "On air" bin ich immer Samstag Nacht um 8 pm (brasilianische Zeit) auf Imprensa FM bei 102,5 MHz in Sao Paulo. Meine Internetshow hat zeitgleich mit meinen sets für die Musical Express Website begonnen ( www.muexpress.cjb.net ), dann habe ich Einladungen bekommen, auch auf anderen Seiten zu spielen und jetzt habe ich eine monatliche Show auf UK Rumbal ( www.uk-rumbal.co.uk ) und eine weitere beim Pleasuredome Radio auf www.pdomeradio.com .

B: Du bist auch ein Producer und Remixer. Wie ich in deiner Bio gelesen habe, hast du einen Remix für Curtis & Moore von ihrem Track "Never Stop" gemacht, der auf Soulshine releast wurde. Ich habe das Original auf Swing City Records und mag es sehr. Auch wenn ich deinen Mix leider noch nicht gehört habe, interessiert es mich doch, wie dieser Kontakt zustandegekommen ist.

A: Es ist wirklich eine Schande, dass du meinen Mix bisher noch nicht gehört hast. Louis Bendetti ist ein sehr guter Freund von mir, und als er mit Soulshine angefangen hat, bat er mich, einen Remix für seinen ersten Release beizusteuern. Aber es war etwas zu knapp damals, da die Platte schon in der Pressvorbereitung war. Mein Mix wurde dann auf der Soulshine EP "Unreleased Mixes Vol.1" veröffentlicht, zusammen mit einem Remix von Louis und Jay-J Hernandez´s - "You Can Live" mit den Vocals von Wade Love.

B: Was für andere Remixe oder Produktionen hast du bisher gemacht? Wie sehen deine Zukunftspläne diesbezüglich aus und arbeitest du momentan auch an irgendwelchen Tracks?

andersonjpg4A: Ich habe ein paar Remixe für brasilianische Sänger wie Ed Motta gemacht. Aber House für den brasilianischen Markt zu produzieren, ist sehr hart. Und Remixe für US-amerikanische oder britische Firmen hier in Brasilien zu machen ist sogar noch schwieriger. Mit dem Produzieren sehe ich das so, niemand zwingt mich dazu, in erster Linie versuche ich meinem Job als DJ nachzugehen, auch in den USA und Europa, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, gehe ich "deep into my studio" und mache mein Ding.

B: Lass uns mal über die House Scene in Brasilien sprechen. Gibt es schon eine oder ist sie noch am Anfang?

A: Sie ist sozusagen noch am Anfang vom Anfang. House war hier schon mal richtig groß, bis 1990. Aber die DJs, die damals House spielten, sind jetzt Techno, Trance oder Tech-House DJs. Wie dem auch sei, ich befürchte, dass ich wohl leider der einzige Housejockey bin, der hier die "real vibes" am laufen hält. Viele DJs hier behaupten, sie würden House spielen, aber wenn hingehst, um sie zu checken, hörst du nur den ganzen kommerziellen Scheiß.

B: Wie sieht´s aus mit Houseclubs, Plattenläden, Labels? Gibt es noch andere Produzenten?

A: Houseclubs? No. Es gibt ein paar Clubs, wo jeden Tag die gleiche Richtung gespielt wird. Aber wenn wir von Parties sprechen, da geht im Süden von Brasilien schon einiges ab. Und natürlich auf meinen Parties im Manga Rose. Was die Plattenläden betrifft, die waren Anfang der 90er viel besser, aber inzwischen ist das so, dass du, um eine gute Scheibe zu finden, wirklich alle abklappern musst.
Die meisten Shops haben nur kommerziellen Stuff, Techno und Trance.
Record Labels? Vergiss das, auch da gibt´s nur kommerziellen Scheiß. Lediglich Sambaloco Records versucht was anderes, aber leider nicht im Housebereich, mehr Drum´n Bass und Breakbeats.

B: Was denkst du? Gibt es ein potentielles Housepublikum in deinem Land oder in Südamerika generell? Wie schätzt du die Möglichkeiten für die Zukunft ein?

andersonjpg3A: Ich glaube, dass bessere Tage kommen werden, hier in Brasilien. Einige Technoclubs öffnen ihre Türen für Dance Music (Def Mix commercial stuff und US Freestyle). Es ist noch nicht die Art von House, die wir spielen, aber ich denke, dass es vielleicht in ein oder zwei Jahren so weit sein wird. Meine Party "Nu Groove! ist in einem Club, wo normalerweise nur Trance läuft und jetzt gibt es immerhin schon einen Houseabend. Ich hoffe, dass der Trend weiter in die richtige Richtung verläuft.
In Südamerika habe ich sonst nur in Chile aufgelegt, was sehr viel Spass gemacht hat uund es war sehr voll. Vielleicht werde ich 2000 wieder dort sein. Ich habe einiges gutes von der House Szene in Paraguay gehört, leider nicht viel vom Rest des Kontinents.

B: Wie siehst du die momentane Situation von House, global betrachtet? In meinen Augen ist da ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Der Underground bildet endlich die notwendigen Strukturen, die in der Vergangenheit gefehlt haben. Und die Musik wird besser und besser, währenddessen der Crap-Sound immer schlimmer wird, so dass die Kluft zwischen guter und schlechter Musik immer größer wird. Was meinst du, wohin uns diese Entwicklung letztenendes bringen wird?

A: Wie ich schon sagte, wird House größer und ich glaube, dass wir sehr bald den Raum bekommen werden, den House verdient hat.

B: Kommen wir mal zurück zu dir. Was tust du außerhalb der Musik? Hast du irgendeinen "normalen" Job? Wie sieht´s mit Hobbies aus?

A: Nein, ich lebe 100 % für die Musik. Mind, Body & Soul. Was Hobbies angeht, liebe ich Fußball (natürlich).

B: Hast du ein bestimmtes Lebensmotto oder Sprichwort, dass dir besonders weitergeholfen hat?

A: Wenn du einen Traum hast, tue alles, um dir diesen Trauum zu erfüllen. Hindernisse werden kommen, aber du mußt stark sein und darfst nie aufgeben. Es gibt glaube ich kein schöneres Gefühl als das, sein Ziel erreicht zu haben. Vergiss nicht: Ain´t no mountain high enough...

B: Letzte Frage, wie gewöhnlich, hast du so was wie eine Alltime Top 10?

A: 1. Swing 52 - Colour Of My Skin (Cutting Records 1994)
    2. Rockmellons - Love´s Gonna Bring You Home (Alphabet City 1994)
    3. Michael Procter - Deliver Me (Bassline Records 1995)
    4. Barbara Tucker - Beautiful People (Strictly Rhythm 1994)
    5. Incognito - Always There (MAW) (Talkin Loud 1996)
    6. Inner Life - Ain´t No Mountaín High Enough (Salsoul 1981)
    7. Roy Ayers - Running Away (Polydor 1977)
    8. Mondo Grosso - Souffles H (Nite Grooves 1995)
    9. Kerri Chandler - Inspiration (Freetown 1994)
    10. Sinnamon - I Need You Now (Jive 1983)

B: Vielen Dank für das Interview und: keep on spreading the real vibes!

A: Ich muss dir danken für den Support von Underground House. Peace and keep da underground house flavour alive!

 Interview von su


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