|
Theo Parrish - That Day/How I Feel (Archive) Und noch mal der Meister. Die Frage ist, kann sich dieser Mann eigentlich noch selbst überbieten? Welches Theo Parrish Stück ist wirklich das beste? Oder sind letztenendes alle gleich gut? Was ist gut? Was ist schlecht? Wer bestimmt das? Was ist Geschmackssache? Gehen wir der letzten Frage einmal näher nach. Vielleicht kann uns da die englische Sprache ein wenig Abhilfe verschaffen. Geschmackssache heißt auf Englisch: matter of taste, also eine Sache des sich Heran-tastens, des Berührens, des Fühlens, des sich Hineinversetzenkönnens. Und wann kann man sich am besten in eine Sache hineinversetzen? Ja klar, wenn sie offensichtlich, d.h. rein ist, glasklar wie frisches Quellwasser. Das bedeutet, dass ein Musikstück umso "besser" ist, je reiner, je ürsprünglicher es ist. Also völlig frei von irgendwelchen verwesungsfördernden, gewässerverschmutzenden Geschmacksverstärkern wie z.B. stereotype Trommelwirbel oder unqualifizierte Filtereskapaden. In diesem Sinne bedeutet "Musik schmecken": Musik sehen, Musik unverfälscht betrachten. Nur wenn das Wasser klar ist, kann man den Grund sehen. Und im Teich eines Theo Parrish ist das Wasser 100 % durch-sichtig. Hier wird nichts verheimlicht, nichts dem Zufall überlassen, alle dunkeln und lichten Inhalte kommen zum Vorschein. So auch bei dieser Platte. Das mag denjenigen, der lieber verdrängt, verunsichern, hat er doch bisher immer alles Dunkle verneint und sich eine heile Welt eingeredet bzw. einreden lassen, z.B. durch den Konsum zahlreicher Disco House Burger. Doch das ist eine heile Welt, die es so nicht geben kann, denn dadurch verschwinden die dunklen Seiten nicht. Eine wahre heile Welt kann nur dann entstehen, wenn man das ganze (=heile, von gr.holos=ganz) Bild sieht. Die dunklen Seiten wollen betrachtet, d.h. beachtet werden und nicht verdrängt, sie wollen ausgelebt, aus-gedrückt und nicht unter-drückt werden. Die dunklen Seiten sind an sich betrachtet keine schlechten Seiten, sie sind nur dunkel, d.h. von Natur aus nicht sichtbar. Sie werden nur dann "schlecht", wenn man sie in der Dunkelheit verhungern lässt. Die Aufgabe des Künstlers ist es, Licht in die dunklen Seiten zu bringen, damit man ihre wahre Daseinsberechtigung (als neutralen Gegenpol der positiven Seiten) erkennen kann. Nur dann kann man von ganzheitlicher Kunst sprechen, alles andere sind halbe Sachen und demnach indisskutabel. Nur dann kann Musik wirklich heilende Wirkung haben. Theo Parrish ist einer der wenigen mir bekannten holistischen Houseproduzenten. Leider? Oder gottlob? Sowohl als auch, denn in der Minderung liegt ja bekanntlich die Mehrung. Pflichtplatte! (22.07.2000) |
|